Monatslied für September 2016—EG 424: Deine Hände, großer Gott

Das Monatslied ist im Gesangbuch der Rubrik Erhaltung der Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit zugeordnet. Die erste Strophe beschreibt zunächst Gott als den, der die Erde hält, uns das Leben und den Tod gibt, das Wasser und das Brot. Sie endet mit der Bitte, dass Gott uns dankbar dafür machen möge. Die zweite Strophe spricht von unserem Umgang mit den Gaben. Obwohl für jeden gesorgt ist, treten die Menschen in Konkurrenz zueinander, „jeder will das Beste haben“ (Str.2). Bemerkenswert ist die abschließende Bitte, Gott möge uns, die wir „ (hasten) Stund um Stund“ „gesund“ erhalten und die Gaben gerecht verteilen. Die dritte Strophe besteht aus einer einzigen Bitte und ist die Zuspitzung des zuvor Gesagten. Sie macht auch die eingangs beschriebene Zuordnung nachvollziehbar. Gott helfe, so heißt es hier, „dass in der weiten Welt/ Kinder nicht aus Hunger sterben“. An Gütern mangelt es nicht (s. Strophe 1), aber an der Verteilung und der Habgier des Menschen (Str.2).

Margareta Fries, die Dichterin unseres Monatsliedes, wurde 1906 als drittes von vier Kindern in Halle an der Saale geboren. Sie wuchs in einer liberalen, kunstsinnigen Familie auf. Gemeinsam mit ihrem späteren Mann, den Theologiestudenten Wilhelm Fries aus Berlin, schloss sie sich der deutschen Jugendbewegung im Wandervogel an. Nach der Heirat 1933 wohnte das Paar zunächst in Bockwitz in der Niederlausitz, später in Treptow an der Rega. Direkt nach dem Krieg floh Margareta Fries mit ihren drei Kindern zu Verwandten, 1946 kehrte ihr Mann aus dem Krieg zurück und die Familie zog nach Frankfurt a. M., wo ihr Mann eine Pfarrstelle an der Dornbuschgemeinde erhalten hatte. Zeit ihres Lebens pflegte Margareta ihre künstlerischen Neigungen. So nahm sie als Pfarrfrau Gesangsunterricht in Stettin, traf mit Freunden zu Hausmusik zusammen, erlernte kunstgewerbliche Techniken wie Kalligraphie, Buchbinderei und Paramentenstickerei, die sie ihr Leben lang anwendete. Außerdem schrieb sie geistliche Gedichte, Texte zu Puppenspielen und Naturlyrik. Nach dem Tod ihres Mannes 1977 lebte Margareta in einem Frankfurter Pflege- und Altenheim und starb dort 1983.

Der Kirchenmusiker Friedrich Zipp, geboren 1914 in Frankfurt a. M., studierte zunächst Musikwissenschaft, Theologie und Germanistik fürs Lehramt, später Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Berlin. Nach seinem Militärdienst erhielt er eine Dozentur für Tonsatz und Gehörbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik in Frankfurt. Außerdem arbeitete er bis 1961 als Kirchenmusiker an der Dornbuschkirche. Hier begegnete er Margareta Fries und lernte ihre Dichtungen kennen. Er vertonte ihre einzigen veröffentlichten Texte zu einer Kantate und zwei Kirchenliedern (EG 424 und EG 691). Zipp schrieb neben geistlichen Chorwerken und Bläsersätzen ebenso weltliche Chorwerke, Instrumentalmusik, Kammer- sowie Orchestermusik. Seine Werke haben in der kirchenmusikalischen Praxis weite Verbreitung gefunden. Friedrich Zipp starb 1997 in Freiburg i. Br., wo er während seines Ruhestands 20 Jahre gelebt hatte.

Jenni Meister