Der Eine-Welt-Laden Schüttorf ist umgezogen

Seit 26 Jahren gab es den  Eine-Welt-Laden in der Vechtestr. 3 in Schüttorf. Nun sind wir umgezogen, weil das Haus in der Vechtestraße verkauft wurde. Am 5. November war Eröffnung im neuen Ladenlokal an der Föhnstr. 4 (ehemals PlusPunkt). Dort können Sie unsere fair gehandelten Produkte zu den bekannten Öffnungszeiten kaufen. Viele Menschen wissen inzwischen um die Bedeutung der unfairen Handelsbedingungen und wollen nicht mehr Produkte, die unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt werden, kaufen. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert haben die Schüttorfer die Möglichkeit, durch ihren Einkauf von hochwertigen Produkten im Eine-Welt-Laden dazu beizutragen, dass die Produzenten in den ärmeren Ländern anständig bezahlt werden, dass sie langfristige Lieferverträge bekommen und dass ihnen bessere Lebens- und Arbeitsbedingen geboten werden können.

Nur so können wir mit dazu beitragen, dass viele Menschen vor Armut und Not, vor Gewalt und Ungerechtigkeit, aus Hoffnungsund Perspektivlosigkeit nicht ihre Heimat verlassen. Gerade wir als „Faire Gemeinde“ sollten uns der christlichen Verantwortung für eine gerechte Welt bewusst sein. Deshalb hier eine herzliche Einladung an alle, das Anliegen des  Eine-Welt-Ladens weiterhin zu unterstützen und ungerechte Welthandelsstrukturen zu verlassen.

Volker Dreyer

Hand aufs Herz ...

Kloster MöllenbeckHaben Sie das gewusst oder auch nur für möglich gehalten, dass unsere Evangelisch-reformierte Kirche Eigentümerin eines Klosters ist? Kloster Frenswegen, das ist uns in der Grafschaft ein vertrauter Name; aber Frenswegen ist eine ökumenische Bildungs- und Begegnungsstätte, die einer Stiftung gehört. Nein, ich meine ein Kloster, dessen „richtige“ alleinige Eigentümerin unsere Kirche ist.

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Über allem ist die Liebe als Himmelszelt gespannt

Gisela Kalverkamp bei den Vorbereitungen

Als wir diese Zeile in der Kapelle des Klosters Frenswegen sangen, dachte ich: „Super, das macht den Unterschied aus!“ Aber ich will vorne anfangen.

Am letzten Sonnabend im Januar hatten wir uns vom Kirchenrat und von der Gemeindevertretung zum Seminartag im Kloster Frenswegen verabredet. Der Gemeindeentwicklungsausschuss hatte unter Leitung von Gisela Kalverkamp die Vorbereitung des Tages übernommen. „Gerechtigkeit“ lautete das Thema.

9.00 Uhr – vom Treffpunkt Gemeindehaus fahren wir los Richtung Kloster Frenswegen. Als wir nach dem Kaffeetrinken und ersten Gesprächen gegen 10.00 Uhr die thematische Arbeit aufnahmen, saßen 35 Mitglieder von Kirchenrat und Gemeindevertretung gleichmäßig verteilt an 7 Tischen. Cafehausatmosphäre. An jedem Tisch hatte ein Teilnehmer die Gastgeberrolle übernommen. Er/Sie moderierte die Diskussion der Tischgruppe und hielt wichtige Gesprächsgegenstände fest. Bei den drei Gesprächsrunden wechselten die Teilnehmer an andere Tische, während der Gastgeber/die Gastgeberin am Tisch blieb und die neuen Gäste zunächst über das vorangegangene Gespräch informierte.

In der ersten Gesprächsrunde  lautete die Leitfrage: “Wie ist mein persönlicher Bezug zum Begriff „Gerechtigkeit“? Wo habe ich in meinem Alltag damit zu tun?“ Schnell war klar, welch große Bedeutung der „Gerechtigkeit“ im Leben jedes einzelnen, im familiären, gesellschaftlichen und staatlichen Zusammenhang zukommt. Gerecht sollte es schon zugehen. Aber was ist eigentlich gerecht? Wir merkten bald, dass „gerecht“ sicher nicht immer „Gleichbehandlung“ bedeuten kann, sondern oft der Einzelfall genau angeschaut werden muss, um zu gerechten Lösungen zu kommen.

In einer zweiten Runde haben wir Marys Situation in den Blick genommen: Mary ist 12 Jahre alt. Sie hat fünf Geschwister. Ihr Vater arbeitet in der Textilfabrik. Monatslohn 82 €. Ihre Mutter putzt in drei Haushalten. Mary kümmert sich um die jüngeren Geschwister und um den Haushalt der Familie. Sie möchte gerne zur Schule gehen. Aber woher soll das Schulgeld kommen? Wer kümmert sich um die Geschwister, wer macht den Haushalt, wenn sie zur Schule geht?

Was heißt da Gerechtigkeit? Was fühlen wir, wenn wir das Leben von Mary vor Augen haben.

Schließlich haben wir uns in der dritten Runde gefragt, wo fordert Gerechtigkeit Handeln der Gemeinde. Wir wollen nicht dabei stehen bleiben, in Gemeindehaus und Kirche ausschließlich fair gehandelten Kaffee zu verwenden. Wir werden in einem Ausschuss nachhaltig daran arbeiten, auf dem Weg der Gerechtigkeit mit dem Namen „fairer Handel“ weiterzugehen, der den Menschen in den sich entwickelnden Ländern einen fairen Preis für ihre Arbeit und für ihre Produkte sichert.

Wir werden die diakonische Arbeit vor Ort besonders im Blick behalten. Wir möchten gerne mehr Menschen dafür gewinnen zu erfahren, wie bereichernd es ist, Menschen glücklich zu machen, wenn man sie besucht. Ehrenamtliche Besuchsdienste erfordern eine vorhergehende Schulung. Fachleute wie zum Beispiel erfahrene Ehrenamtliche oder Pastorinnen und Pastoren können neu Einsteigenden helfen, die Hemmschwelle zu überwinden, an fremden Wohnungstüren zu klingeln und mit dem unsicheren Gefühl umzugehen, was da wohl auf mich zukommen mag, wenn sich gleich die Tür öffnet. Wie mache ich das, ins Gespräch zu kommen und zur rechten Zeit zu schweigen? Bekomme ich Texte zum Vorlesen gestellt? Wie ist das eigentlich, soll ich dann auch ein Gebet sprechen? Wo bekomme ich dann ein gut formuliertes Gebet her? Das alles und mehr ist in der Schulung zu besprechen.

Wir werden aber auch unsere Partner in Rumänien und Südafrika nicht aus dem Auge verlieren. Gegenseitige Besuche fördern den Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis. Jeder, der mit Partnergemeinden im Austausch steht, macht die Erfahrung, welchen menschlichen Gewinn eine partnerschaftliche Zusammenarbeit für alle Beteiligten mit sich bringt. Diese Erfahrungen sind auch für jüngere Gemeindeglieder wichtig. Deshalb haben Jugendliche aus unserer Gemeinde unsere Partner in Südafrika besucht und darüber in beeindruckender Weise berichtet. Nachhaltige Partnerschaft kann nur gelingen, wenn wir jede Generation mit der Partnerschaftsarbeit der Gemeinde bekannt machen 

Klingelbeutel


KlingelbeutelJeden Sonntag sind sie im Gottesdienst im Einsatz, Sonntag für Sonntag, Monat für Monat, Jahr um Jahr. Trotzdem habe ich nie daran gedacht, dass die Nutzung ihren Tribut fordert, dass auch  Klingelbeutel altern. Gesine Kiewit aus der Nordhorner Straße 15, die Mutter von Anita Wensing, weiß es seit langem. Schon ihre Mutter hatte sich vor Jahren der Klingelbeutel angenommen. Der schwarze Samt brauchte Unterstützung. Er konnte allein das Gewicht der Sammlungen nicht mehr halten. Die Mutter von Frau Kiewit nähte ein Inlett in den Klingelbeutel ein, einen hautfarbenen Innenbeutel aus weichem Stoff. Sie nähte die Innenbeutel absolut perfekt in die Klingelbeutel ein. Mir ist nie aufgefallen, dass die Klingelbeutel in Schüttorf eigentlich jeweils aus zwei Beuteln bestehen, von denen einer nachträglich eingefügt wurde. Außen zeigt der Klingelbeutel seine dezente Schönheit, seine schwarze, samtene Seite. Goldfarbene Fransen verzieren den oberen Rand des Beutels. Innen, dort wo sich jeden Sonntag Münzen und Scheine einfinden, muss der Stoff nicht schön sein, die Innenseite sieht ja keiner. Aber haltbar und belastbar muss der Stoff des Innenbeutels sein. Und da hat die Mutter von Frau Kiewit vor Jahren offensichtlich eine sehr gute Wahl getroffen. Die Innenbeutel sind noch perfekt in Schuss.

Es war der Außenbeutel aus Samt, der wieder schwächelte. Das fiel einem Kirchenratsmitglied vor einigen Wochen auf. Am oberen Rand, an der Öffnung der Beutel, hatte sich der Samt an einigen Stellen gelöst. „Da muss etwas gemacht werden, damit der Samtbeutel keinen weiteren Schaden nimmt.“ Dass sofort etwas geschehen musste, war schnell klar; aber was? Und wer macht es? „Ob Frau Kiewit das machen würde? Ihre Mutter hat doch vor Jahren schon die Klingelbeutel ausgebessert.“

Wie toll, dass Frau Kiewit sich tatsächlich der Klingelbeutel angenommen hat! Mit welchem Geschick sie die „Schwachstellen“ bereinigte, können Sie beispielhaft auf dem Foto unten sehen. Schauen Sie sich die Klingelbeutel nach dem Gottesdienst mal in Ruhe und im Original an! Dann können Sie sehen, wie klasse Frau Kiewit das hinbekommen hat. Vielen Dank, Frau Kiewit!

Und wenn in vielleicht 20 Jahren die Klingelbeutel wieder reparaturbedürftig sind, dürfen wir Dich dann fragen, Anita Wensing? Dann werden wir sagen: „Schon deine Oma und deine Mutter haben sich um unsere Klingelbeutel gekümmert. Das ist Familientradition…“

Norbert Nordhort