In unregelmäßiger Folge kommen im Gemeindegruß Theologinnen und Theologen zu Wort, die in der Vergangenheit mit uns in Schüttorf auf dem Weg waren, in unserer Gemeinde eine Zeit lang gearbeitet haben und dann an andere Orte gewechselt sind. 

Andacht Dezember 2015

„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. Und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.“ (Jesaja 9,1)

Kann Paris in diesem Jahr die Adventszeit feiern?

„Warum lässt Gott Paris zu?“ wurde ich wenige Tage nach den Anschlägen gefragt. „Warum musste ich meine Tochter beerdigen?“ „Warum ist mein Mann so krank geworden?“ bin ich in der Woche davor gefragt worden. Der Terror in der französischen Hauptstadt führt uns deutlich vor Augen, was wir eigentlich sowieso wissen: Dass wir in einer kaputten Welt leben, in der Kinder sterben, Menschen krank werden und verblendete Eiferer Genugtuung am Mord empfinden.

 
(c) Flickr / Alain Van Den Hende

Die Frage steht – mal ausgesprochen, mal unausgesprochen – im Raum: „Können wir eigentlich in so böser Zeit Advent und Weihnachten feiern?“
Manchem bleiben die Zimtsterne und Mandeln im Halse stecken. Andere verschließen Augen und Ohren, um in vorweihnachtlicher Adventsidylle – ungestört vom Elend der Welt – roten, heißen Glühwein zu trinken und eilig gekaufte Geschenke in glitzerndem Papier zu verpacken. Wer die Adventszeit auf ein heimeliges Fest von Vanillekipferl, Apfel, Nuss und Mandelkern, von weißen Bärten und dröhnendem „Ho-ho-ho“ reduziert, mag in der Tat und zurecht eine Spannung zwischen  dem Leben und einer vorweihnachtlichen Scheinwelt spüren.
Doch eigentlich ist der Widerspruch von böser Welt und Adventszeit nur ein scheinbarer. Tatsächlich zeigt die christliche Tradition mit der Adventszeit und dem Weihnachtsfest Wege auf, mit dem Schrecken, der uns umgibt, umzugehen – und macht uns stark, ihm zu begegnen. Die Adventszeit ist in ihrem Kern eine Zeit, die uns in das Warten – und Hoffen! – einübt. Advent heißt Ankunft – gemeint ist aber nicht die Ankunft des Weihnachtsmannes, sondern die des endzeitlichen Heils, die verbunden ist mit der Ankunft des wiederkehrenden Christus.

Die Adventszeit als Vorbereitungs- und Wartezeit auf das Weihnachtsfest – mit Adventskalender für die Kleinen und Adventskranz für die Großen – ist eine Besinnung auf die wartende Hoffnung, dass unsere Welt eine bessere wird. Der Prophet Jesaja verheißt: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Christus hat diese Verheißung bestätigt und aktualisiert, aber nicht obsolet gemacht. Er verkündigt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Doch wir sind noch umgeben von der Finsternis – und warten darauf, dass dieses Licht alle Finsternis vertreibt.

Sonntag für Sonntag stecken wir eine weitere Kerze an. Es ist nicht zu übersehen: Von Sonntag zu Sonntag wird es immer heller im sonst dunklen Wohnzimmer. Eine sichtbare Vergewisserung: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. Vielleicht ist die Adventszeit – in diesem Sinne gefeiert – die beste Therapie für das geschundene Paris.

Johannes de Vries

Andacht Feb 2014

Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. (Eph 4,29)

Es klingelt unser Telefon. Ein Freund bittet um Rat im Fall eines Bekannten. Er ziehe sich mehr und mehr zurück, wirke depressiv und abweisend, nehme mehr und mehr zu, scheine gegen alle Ratschläge immun zu sein. Was tun?

Da tauchen auch Gedanken auf, die sagen: “Selbst Schuld! Wenn er nicht will, ist doch sein Problem.” Auch im Gemeindeumfeld wird schon dann und wann ein Spruch dazu fallengelassen. Aber ist es das? Soll das helfen? Zieht man sich so raus aus dem Ganzen? 

Nein! So kann es echt nicht sein. Im Epheserbrief steht geschrieben: Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.

Zusammen mit dem Pfarrer und den Freunden des Bekannten wollen sie ihn aufsuchen, um ihm ihre Hilfe anzubieten. Einiges steht da auf dem Plan, und es wird Kraft und Zeit kosten. Aber ist es nicht das, was Christus uns lehrt? Klar ist der bequeme Weg zu sagen “Selbst Schuld” der einfachste, aber nicht der, den Christus im Sinn hatte, als er uns als Gemeinde auf den Weg brachte. Und gerade in dem unbequemen Weg, nicht zu lästern und sich als Gemeinde zu aktivieren, liegt der Segen. Wir wünschen uns, dass in dem, was er bald hören wird, Gnade und Segen auf ihn warten als Wegzehrung für die anstehende Reise. 

Daniel Naurath


In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Johannes 1,4)

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier. Und wenn das fünfte brennt, dann haste Weihnachten verpennt.“

Diesen Spruch haben Sie bestimmt schon mal gehört. Ganz schön dämlich, denn mal davon abgesehen, dass man Weihnachten wohl kaum verpassen kann, kenne ich keinen Adventskranz mit fünf Kerzen. Aber trotzdem, irgendwie ist dieser Spruch gar nicht so dämlich, sondern eigentlich ganz schön schlau. Denn: wer Weihnachten verpennt, der versäumt etwas ganz Entscheidendes.

 

Es ist gut, dass der Adventskranz uns die Zeit bis Weihnachten anzeigt. Und gut, dass er es in unseren Wohnungen von Sonntag zu Sonntag heller macht. Und draußen, wo die Tage kurz sind und es morgens spät hell und abends früh dunkel wird, sorgen wir mit Leuchtdekoration ebenfalls für mehr Licht. Das hat einen guten Sinn.

 

Wir brauchen das Licht. Ohne Licht gibt es kein Leben. Keine Pflanze könnte wachsen. Aber auch wir Menschen brauchen Licht. Ohne Licht stolpern wir herum. Wir verlieren die Orientierung und finden uns nicht mehr zurecht. Ohne Licht wäre das Leben grau, eintönig, farblos und kalt. Im Lichte eines neuen Tages sehen manche Sorgen der Nacht anders aus. In den Strahlen des Sonnenlichtes schöpfen wir neue Hoffnung. Licht spendet Wärme. Es erhellt die Finsternis und macht unsere Welt auf tröstliche Weise warm und menschlich.

 

Wir brauchen das Licht. In der Bibel hat es von Anfang an eine besondere Bedeutung. Bereits in der Schöpfungsgeschichte spricht Gott „Es werde Licht.“ Die Finsternis weicht, die Erde wird vom Licht erfüllt, Leben wird möglich. Licht und Leben gehören zusammen. Was für die Natur gilt, ist in der Bibel nicht anders. Nur wird hier der Ursprung des Lichts benannt: Gott ist die Quelle des Lichts und damit die Quelle des Lebens.

Im Neuen Testament wird der Zusammenhang von Licht und Leben noch deutlicher. Aber hier geht es um viel mehr. Es geht um das „wahre“ Licht, das erst das „richtige“ Leben ermöglicht. „Licht“ wird gleichgesetzt mit Jesus Christus. Er selbst nennt sich „Licht der Welt.“

 

Deutlich wird das Heiligabend. Wenn in den Krippenspiel-Gottesdiensten der Lichtstrahl auf den Chor der Engel fällt, dann ist das ein besonderer Moment. Das rührt an, auch die, die sonst wenig sentimental sind. Das rührt an, nicht nur weil da Kinder im Engelskostüm stehen. Das rührt an, weil wir spüren: hier geschieht etwas Besonderes, das auch mir gilt! Wir hören nicht nur, sondern wir fühlen: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Das ist die Verwirklichung unserer tiefsten Sehnsucht, dass da jemand ist, der uns liebt und annimmt. Es ist Jesus, der das Licht der Welt erblickt. Seine Geburt bedeutet Licht für mein Leben und macht mein Leben so erst wirklich lebenswert. Er stillt meine Sehnsucht nach Licht und Leben. Oder mit den Worten des Kirchenvaters Augustinus gesagt: „Erleuchte mich, Herr, du bist mein Licht, meine Freude und mein Heil.“

Deshalb: Passen Sie gut auf, dass Sie Weihnachten nicht verpennen!

 

                       Heidrun Oltmanns